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Es ist immer spannend, sich auf eine sehr bekannte und häufig dargebotene Oper eines berühmten Komponisten in einer neuen und modernen Inszenierung einzulassen. Und so hatten sich die Donaueschinger Opernfreunde den Besuch der Oper „Macbeth“ von Giuseppe Verdi im Theater Basel vorgenommen – eine Neuinszenierung von Herbert Fritsch. Voller Erwartungen – auch geschürt durch die bereits vorliegenden Kritiken – nahmen wir unsere Plätze ein, begleitet von der Frage: Was erwartet uns tatschlich.
Natürlich kannten wir die Handlung der blutigen Tragödie William Shakespeares vom mörderischen Aufstieg und dem letztendlichen Fall des Paares Macbeth in den Wahnsinn wie in den Tod. Verdi (1813–1901) übernimmt diese für seine 10. Oper, wenn auch auf den Anfang und das Ende der Herrschaft Macbeths verkürzt. Es ist seine düsterste Oper, auch wenn der Komponist der Handlung offenbar auch heitere, vielleicht sogar komische Züge abgewinnen konnte.
Nach der Ouvertüre, gewohnt spannungsgeladen und kontrastreich vom Sinfonieorchester Basel unter Dirk Kaftan dargeboten, erwartete uns ein überraschendes Bühnenbild. Fünf schlichte, rot beleuchtete Bögen, eingefasst von weißen Lichtbögen und einmündend in einen ebenfalls rot erleuchteten Hintergrund, schafften einerseits Fläche, gaben aber durch ihre sich verengende Staffelung zugleich Raum für die Handlung und deren Ebenen. Die Kostüme waren durchgängig schwarz, lediglich Lady Macbeth – von Heather Engebretson fantastisch gesungen und oft auch sehr leichtfüßig dargestellt – trug ein weißes, an ein Nachthemd erinnerndes, luftiges Kleid.
Allenthalben schräge, grelle Kontraste, wo immer man hinschaute. Rot, schwarz, weiß und dieses Spiel von Farben und Licht im steten Wandel. Macbeth – gesungen von Iain McNeil –, einem Hünen, in ein wuchtiges schwarzes Kostüm gewandet, mit Pumphosen und riesigem Kragen, ließ Lady Macbeth wie ein Püppchen wirken.
Dies alles war in seiner burlesken Widersprüchlichkeit von Regisseur Herbert Fritsch, der sowohl für Inszenierung als auch Kostüme und Bühnenbild verantwortlich zeichnete, sicher ausdrücklich so gewollt.
Entsprechend war es vermutlich nicht für jeden von uns sogleich möglich, sich auf diese Umsetzung der Oper einzulassen. Man konnte hier und da den Eindruck gewinnen, Bühne, Kostüme, Licht seien für ein farbenfrohes Videogame entwickelt worden. Bühnenbild, Lichtdramaturgie und Choreografie wirkten perfekt und faszinierend; sie hätten durchaus auf einen großen Bildschirm gepasst. Und so fiel es der herrlichen Musik Verdis zum Trotz – die wider das Melodram auch leichte und heitere Passagen aufwies – anfänglich durchaus schwer, einen emotionalen Bezug zum Geschehen aufzubauen. Und dies, obgleich gerade die Musik ein possenhaftes, derb komisches, ja auch provokatives Spiel der Figuren zulässt.
Dies änderte sich – zumindest für den Autor dieser Zeilen – nach der Pause. Die Handlung wurde dichter: Die Hexen, ein vielgestaltiger Chor vermummter schwarzer Gestalten, ließen Macbeth mit weiteren, für ihn unverständlichen Prophezeiungen zurück. Sich in Sicherheit wähnend, begehen er und Lady Macbeth weitere Morde und löschen gar eine ganze Familie aus.
Gepeinigt vom schlechten Gewissen, schlafwandelt Lady Macbeth bis hinein in jenen Wahn, an dem sie – begleitet von Arzt und Kammerfrau – stirbt. Macbeth hingegen zieht unbeeindruckt und ohne Reue in die Schlacht, in der trügerischen Gewissheit, unbesiegbar zu sein. Die Prophezeiungen der Hexen bleiben ihm verschlossen. Und so wird er durch einen Gegner getötet, dem er sich immer gewachsen fühlte: Der wahre König wird letztlich König, wie von den Hexen vorhergesagt. Alle Prophezeiungen haben sich erfüllt.
Der Schlussapplaus war lang und auch wir waren durchweg begeistert. Das fröhliche Spiel der Sängerinnen und Sänger ging auch nach dem Ende der Oper weiter. Man konnte die Freude und die Begeisterung aller Beteiligten deutlich sehen. Vielleicht haben wir eine „Oper der anderen Art“ erlebt, Freude daran hatten wir aber allemal. Und eines ist immer sicher: Musik von Giuseppe Verdi, dargeboten von einem großartigen Orchester, kann nicht enttäuschen.
Musikalische Leitung – Dirk Kaftan, Inszenierung, Bühne und Kostüme – Herbert Fritsch, Lichtdesign – Cornelius Hunziker, Chorleitung – Michael Clark, Dramaturgie – Benjamin Wäntig
Macbeth – Iain McNeil, Banco – Marius Aron, Lady Macbeth – Heather Engebretson, Dame der Lady Macbeth – Hope Nelson, Macduff – Rolf Romei, Malcolm – Evin Ahmeti
Sinfonieorchester Basel, Chor und Extrachor des Theater Basel